Mit Wolken ist es so eine Sache. Es gibt sie als Schäfchen-, oder- Haufenschichtwolken,  als Schleier-, Feder-, oder Gewitterwolke, oder in jeder erdenklichen anderen Variante. Sie treten einzeln auf oder in Gemeinschaft, es gibt jüngere und ältere,  manche sind  weiß, andere irgendwie grauschattiert. Es gibt dünne und dicke, pralle und schlabberige. Sie kommen und gehen.

Auch mit den Damen 30 ist es so eine Sache. Auch wir sind bekanntlich nicht alle gleich. Es gibt blonde und dunkle, welche mit und welche ohne Kinder, knapper bekleidete  und solche mit mehr Stoff am Leib, einige haben Taschen, andere nehmen lieber die Plastiktüte. Das ließe sich beliebig ausführen oder einfach auf den Kern zurückführen: Gut Tennis spielen können wir alle, uns zusammenreißen, wenn es mal nötig ist, und zusammenstehen wie kein zweites Team sowieso, und am Ende eines langen, sportlichen Arbeitstages trinken wir ganz gerne mal einen Apérol (nur echt mit Apérol!).

In der letzten Saison sind wir nur knapp am Aufstieg vorbeigeschrammt, der Himmel stahlblau, bestenfalls Federwolken. Wir waren allerbester Dinge. Doch plötzlich plagten uns Verletzungen, Abgänge zu den 40ern, Personalprobleme. Über den Winter wurden wir auf einmal viel zu alt für die Klasse. Die neue Generation spielt ganz anders, sagt der Trainer. „Wie, anders?“,  möchten wir gerne wissen. Die haben richtig Kraft, sind agil, nehmen die meisten Bälle direkt aus der Luft und spielen alles kurz cross, erklärt er uns und deutet vage auf irgendwelche Zielpunkte am Außenrand des Spielfelds. Wir sind schwer beeindruckt. Aber:  Geht nicht, gibt’s bei uns nicht. Und wir üben uns in Verjüngung, Training für Training. Alles aus der Luft und auf diese imaginären Punkte. Denen wollen wir es zeigen, zu alt, dass wir nicht lachen. Da war der Himmel noch recht blau. Bis zum ersten Spiel.

Palmengarten, zuhause. Jung sahen sie schon aus. Agil auch. Und sie haben nicht lange gefackelt mit der älteren Generation. Am Himmel ging die Entwicklung rasch von der Regenschicht- zur Gewitterwolke (Cumulonimbus), und  unter dem wolkenlosen Himmel der Marxheimer Halle hatten wir leider gar keine Chance mehr (2:7), aber ein paar Unterbrechungen, weil der Trainer Schwierigkeiten hatte, das Licht zu programmieren und ein paar Mal neu anreisen musste. Und ja, bequeme Milchschnittenbänke und Pommesduft aus dem Waldgeist hatten wir natürlich auch. Wie alle guten Sportler mögen wir allerdings  nichts so gerne Fritiertes und ernähren uns lieber von Obst und Gemüse. Das ist auch besser gegen die Falten. Den Apérol haben wir uns natürlich nicht nehmen lassen. Der enthält Antioxidantien und ist sehr gesund.

Wir haben ja noch 4 Spiele, beruhigen wir uns. Der Trainer faselt zwar weiter vom Alter und macht Übungen, die wir nicht verstehen. Aber eines verstehen wir doch ganz genau:  In der Pfalz wollen wir am nächsten Sonntag unseren ersten Punkt holen. Die Damen kennen wir lange, einige sind kräftig gebaut, das wissen wir, da können wir unsere Fitness voll ausspielen. Und alt sind die auch! Also los, auf nach Kaiserslautern. Kerstin Schneider fährt uns souverän  in Flip-Flops. Im Auto wird gestrickt. Was soll ich sagen? Am Ende blieb uns nur das gute Pfälzer Essen. Mit leeren Händen stehen wir da, so schreibt es die Presse. 2 Einzel im Champions Tie-Break verloren, 4:5. Noch 3 Spiele. Am Himmel erste Quellwolken.

Jetzt wollen wir es zuhause gegen Saarbrücken noch einmal probieren. Die sind auf keinen Fall jünger als wir und spielen überhaupt noch nicht dieses neuartige Tennis. Im Gegenteil. Wir backen den zweiten Siegerstreuselkuchen (den ersten hat Palmengarten gegessen), diesmal ohne Obst. Auch, falls der Trainer mal vorbeischaut. Der mag nämlich keines.  Leider müssen wir lernen, dass der Streusel nicht immer alles richten kann. Und Wolken gab es, ich glaube es waren niedere Schichtwolken. Darunter  verlieren wir schon wieder, diesmal 3:6. Für Diedenbergen wird die Luft jetzt dünn, titelt das Höchster Kreisblatt, der Mann hat keine Ahnung. Irgendwie stehen die Wolken jetzt aber doch auf Sturm. Nicht mal den Apérol gönnt man uns mehr.  Clubwirt Antonio bringt uns Campari als Ersatzgetränk. Apérol ist aus, sagt er merkwürdig gleichgültig. Das geht doch nicht!

Jetzt wird es furchtbar ernst, das wissen wir. Gegen Igel müssen wir gewinnen. Igel gehört zu Trier, und das liegt an der Mosel. An jenem 28. Mai wird dort auf dem Petrisberg genau über uns mit 37°C der deutsche Hitzerekord gemessen. Überflüssig zu sagen, dass es dort gar keine Wolken gab, den ganzen Tag nicht einmal eine kleine (obwohl Cumulus-Wolken gut gepasst hätte. Die bringen Aufwind, das weiß jeder Segelflieger). Es lief recht rund und bedeutet deswegen am Ende auch Sieg! Der erste. Apérol hat man uns zwar nicht angeboten, dafür aber eisgekühltes, alkoholfreies Radler, das auch ganz gut geschmeckt und unsere leeren Speicher schnell aufgefüllt hat. Gefahren ist Nicole Gerth. Hin und zurück. Die ganze Zeit mit ordentlichem, festem Schuhwerk. Verfahren hat sich am Ende das Navi, das doofe. Bis kurz vor Lüttich, bis es seinen Fehler endlich korrigiert hat. Aber Punkt ist Punkt. Dem Igel die Krallen gezeigt, so berichtet der Kurier. Ganz in unserem Sinne.

Die Freude ist allerdings von kurzer Dauer. Schnell erfassen wir, dass wir noch einmal siegen müssen, und das auch noch im Saarland, in St. Ingbert. Dort haben wir eine Rechnung offen. Nein, diesmal kein Apérol am Tresen, sondern ein 2015 vor gut gefüllter heimischer Terrasse  knapp verlorenes Doppel zum  4:5. Kerstin Schneider fährt. Barfuß. Alle möglichen Tüten im Kofferraum. Kristina Marschall strickt. Die Mannschaftskollegin Susanne Verheyen holen wir wie immer unter der Brücke ab. Wir sind ganz unter uns, wir alten 30er. Aber so alt sind wir diesmal gar nicht, haben wir doch mit Nikola Kahl und Nadja Wolf-Zdekauer das ganz junge Gemüse dabei. Und Ingbert ist so jung schließlich auch nicht. 1:2 nach der ersten Einzelrunde, doch das Blatt wendet sich schnell. 4:2 nach den Einzeln. Am Himmel wenig Beunruhigendes. Aber wie sollen wir jetzt die Doppel aufstellen? Der Trainer wird belästigt, die Lage gewälzt. Wir sollen uns vor allen Dingen wohlfühlen, sagt Oliver Kaus. Sag das doch gleich, dann ist es einfach. Jetzt sind die drei Doppel natürlich ratzfatz positioniert. Und das erste gleich verloren. Im dritten steht es auch schlecht, es verliert schließlich knapp im ChampionsTie.  Und das zweite? Das, das wir jetzt unbedingt gewinnen müssen?  Erster Satz verloren. Aber wir wären nicht die Diedenbergener Damen 30, wenn wir uns nicht aufgebäumt und die Sache ordentlich abgeschlossen hätten. 10:7 im ChampionsTie. Souverän. Klasse gehalten: Regionalliga 2018 wir kommen!

Unser erstes Telefonat gilt Clubwirt Antonio. Hast du Apérol? Er hat. 6 Flaschen, kalt. Das ist mehr als genug und erspart uns den Umweg über die Tankstelle.  Auf der Heimfahrt keine besonderen Vorkommnisse. Der Trainer ist zufrieden. Kein Wort mehr übers Alter. Was wollen wir mehr? Es gibt sie doch, die rosa Wolke. Wir haben sie letzte Woche über Diedenbergen gesehen.

Was wir uns fürs nächste Jahr wünschen?  Eigentlich sind wir wunschlos glücklich. Antonio, du weißt Bescheid.

(Kristina Marschall)

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