Vor jedem Fußballspiel der Nationalmannschaft sind sie zu sehen, die Banner „No to racism“. In Fernsehspots sprechen sich die Spieler gegen Rassismus und Diskriminierung aus. Im Tennis scheinen andere Regeln zu gelten. Alle erinnern sich an Mitte August auf unserer Anlage: In einem hitzigen Hessenliga-Duell zwischen dem für FTC Palmengarten startenden Maximilian Abel und dem für den TC Diedenbergen (TCD) antretenden Spieler Gibril Diarra beschimpft Abel den dunkelhäutigen Diarra als „Bananenfresser“. Das hören die  rund 100 Zuschauer auf dem Centre Court, die empört aufschreien, aber Oberschiedsrichter Hans-Dieter Werner vom Hessischen Tennis Verband (HTV) bleibt untätig.  Weder spricht er eine Strafe aus, noch befragt er Abel, der mehrfach vor sich hinbrummelt „Ich nehme das zurück“. Vielmehr disqualifiziert der bekanntlich sehr erfahrene Schiedsrichter nach einem Wortgefecht den aufgebrachten und mosernden Diarra, der sich zunächst weigert, weiterzuspielen. Abel stellt die Äußerung nicht in Frage und entschuldigt sich später bei dem Spieler des TCD, doch das Match ist vorzeitig verloren. Diedenbergen legt daraufhin Protest beim HTV ein und bittet um Untersuchung durch die Disziplinarkommission. „In unserem Verein dulde ich keinerlei Formen von Rassismus“, sagt TCD-Präsident Klaus-Otto Kemper. Wochenlang passiert nichts. Erst auf mehrfache Nachfrage antwortet der Präsident des HTV, Dirk Hordorff, schließlich ohne nähere Begründung: „Nach Anhörung aller Beteiligten und der Stellungnahme des Oberschiedsrichters habe ich mich entschieden, nicht die Disziplinarkommission anzurufen“. Der anschließend um Überprüfung gebetene Deutsche Tennis Bund lässt sich ebenfalls mehrfach Bitten, bis endlich Mitte Oktober die Antwort kommt. Er will oder kann auch nichts unternehmen: „Selbstverständlich tritt der DTB rassistischen und fremdenfeindlichen Bestrebungen entschieden entgegen. Dies kann er im formaljuristischen Sinne aber nur bei Veranstaltungen, für die er gemäß seiner Ordnungen zuständig ist. Im vorliegenden Fall kann der DTB nicht tätig werden, da hier eine ausschließliche Zuständigkeit des Landesverbandes gegeben ist“, lässt Vizepräsident Bernd Greiner im Namen seines Präsidenten wissen. Und so liegt wohl der Schluss nahe: Im weißen Sport ist ein dunkler Bananenfresser erlaubt.

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